Racetrack Playa

May 12, 2013  •  3 Comments

Nach einem langen Flug und der Umstellung auf die neue Zeitzone in der San Francisco Bay Area ging es südlich um die Sierra Nevada herum ins Death Valley. Für Bärenbeobachtungen in der Sierra Nevada ist es noch etwas früh (alle Pässe sind noch schneebedeckt und gesperrt) und somit haben wir uns für das “warme” Death Valley als Start unserer Reise entschieden. Warm bedeutet momentan etwa Körpertemperatur, wobei die 36 Grad Celsius (im Schatten gemessen) auch problemlos auf heisse 80 Grad ansteigen können, wenn sich das schwarzem Gestein am Boden erhitzt.

Das Death Valley gilt seit kurzem als der heisseste Punkt der Erde. Es ist bereits die trockenste Gegend (es gab Jahre, an denen hat es nie einen Tropfen geregnet) und auch der tiefste Punkt des nordamerikanischen Kontinentes befindet sich hier. Die Gegend ist unwirklich und die Tiere und Pflanzen mussten über die Jahrhunderte ganz spezielle Strategien für das Überleben entwickeln. 

Wir blieben vier Tage im Zentrum des Tales in der Furnace Creek Ranch und somit war genug Zeit eingeplant für eine Jeep Tour in spezielle Gebiete abseits des Touristenstroms. Farabee’s Jeep Rental ist noch bis Mitte Mai offen und somit war das Timing perfekt für einen Tag mit einem Jeep Wrangler, der optimal auf die Wüstenlandschaft und die ungeteerten Strassen eingestellt ist und auch über ein Satelliten-Notfall-System verfügt.  

 

Titus Canyon

Die erste Route führte uns in den Titus Canyon. Gleich zu Beginn der Naturstrasse geht es über einen Pass und die Schlaglöcher sind nicht von schlechten Eltern. Titus Canyon Wir überholen einen weissen Audi, der vermutlich auch 4WD besitzt, aber nicht wirklich für die Strasse geeignet ist. Wir denken an besonders unebenen Stellen noch ein paar mal an die Leute im Audi zurück und wünschen ihnen in Gedanken viel Glück, damit der Audi nicht seinen Geist aufgibt. Den Geist vermutlich immer noch behalten hat die Minenstadt Leadfield, an der wir vor dem Canyon vorbei kommen. Es sind nur noch ein paar Häuser vorhanden, aber die Geschichten dieser Geisterstädte sind doch immer wieder spannend.  

 

Leadfield

Lead heisst auf Deutsch übersetzt Blei und dieses wurde 1905 im Titus Canyon gefunden. Da der Canyon zu abgelegen ist wurde jedoch nur ganz kurz Blei gefördert und die Mine wieder aufgegeben. Zwanzig Jahre später gab es jedoch ein Revival als die Western Lead Mines Company 50 Anrechte zur Schürfung (engl. claimes) erwarb und einen Tunnel bohrte. Leadfield Es wurde Blei und Silber gefunden und Leadfield erwachte zu neuem Leben. Bereits 24 Stunden nachdem die Western Lead Mines Company Aktien auf den Markt brachte wurden 40’000 Anteile verkauft und der neue Boom war geboren (Anmerkung: Es ist noch wichtig zu erwähnen, dass oft viel mehr Geld mit den Aktien als mit der eigentlichen Mine erwirtschaftet wurde). Es wurde nun eine “gute” Strasse von Nevada her gebaut und im Februar 1926 ging die Begeisterung für Leadfield richtig los, nachdem ein gewisser C.C. Julian sich bei der Western Lead Mines Company eingekauft hatte und primärer Aktionär und President wurde. Im März 1926 kamen über 340 potentielle Investoren von Beatty her und weitere gesellten sich dazu, so dass schlussendlich etwa 1000 Leute nach Leadfield reisten, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Leadfield hatte zu dieser Zeit bereits eine Zeitung, einen General Store, einen Barber, ein Restaurant, das Leadfield Hotel, eine offizielle Post und Pläne für einen Wal-Mart. Es lebten bis zu 300 Leute in Leadfield, die meisten von ihnen in Zelten. Es gab dann allerdings Unstimmigkeiten über die Rechte, dass Herr Julian Aktien verkaufen darf und es brach alles zusammen. Die offizielle Post war nur von August 1926 bis Februar 1927 offen. Es ist bis heute unklar wie viel Bleierz in Leadfield wirklich gefördert werden konnte. Herr Julian flüchtet nach weiteren Fehlversuchen nach Shanghai und beging 1933 Selbstmord.

Nach Leadfield beginnt der eigentliche Titus Canyon. Die Strasse führt uns durch offenere Gebiete und ganz enge Abschnitte der Schlucht. Es ist oft nicht klar wo es einen Ausweg geben könnte, aber immer wieder findet die Strasse eine Möglichkeit durch den Canyon zu führen.

Nach dem Titus Canyon geht es weiter auf der normalen Strasse zum nördlichen Ende des Parkes. Vorbei an den beiden Ubehebe Krater beginnt die ungeteerte Strasse zur Racetrack playa. Die Krater wurden vor etwa 2000 Jahren durch eine gewaltige Explosion gebildet. Heisse Magma hat Wasser erhitzt und der so entstandene Dampf hat das Gestein weggeschleudert.

Nach einer guten Stunde über einen Pass und durch ein herrliches Gebiet mit blühenden Kakteen und Joshua Trees erblicken wir die Racetrack Playa. 

 

Racetrack Playa 

Die Racetrack Playa ist ein ganz spezielles Gebiet und nicht sehr gut mit dem Auto zu erreichen. Die Playa ist ein ausgetrockneter See auf dem es “segelnde Steine” gibt. Das Gebiet ist auf 1130 Meter über Meer und der See ist 4.5 km lang und 2 km breit. Die ausgetrocknete Oberfläche ist extrem eben und auf der einen Seite nur 4 cm höher als auf der anderen. Der See hat nur für kurze Zeit existiert und ist dann aufgrund der heissen Wüsten-Sonne ausgetrocknet. Das Wasser ist verdunstet und hat eine lehmige ebene Fläche zurückgelassen ohne jegliche Vegetation an der Oberfläche. Wenn es doch mal regnet (so wie zum Beispiel als wir dort waren...) bildet sich an der Oberfläche eine feine Schicht aus Wasser und Lehm, die sehr glitschig ist.

Das Spezielle und auch Mystische sind nun die Steine auf der Lehmschicht. Diese Steine segeln langsam über die Oberfläche und hinterlassen eine klare Spur. Bisher konnte noch niemand sehen oder filmen, wie sich die Steine genau verschieben und es gibt etliche Studien und Theorien darüber. Die Steine werden überwacht und es scheint, als segeln sie etwa alle drei bis vier Jahre einmal und die Spuren sind etwa auch so lange sichtbar. Sehr speziell sind auch die Formen und Richtungen der Spuren. Sie verlaufen meist in Richtung Nord-Süd, wobei auch andere Richtungen, Kurven und Zacken vorkommen. Die wahrscheinlichste Theorie geht davon aus, dass im Winter bei starkem Regenfall die Oberfläche nass und rutschig wird und sich die Steine durch starken Wind (etwa 140 Stundenkilometer) verschieben. Eine andere Theorie bringt noch zusätzlich Eis ins Spiel, welches sich auf dem Wasser bildet und zusammen mit dem Wind den nötigen Impuls für die Verschiebung der Steine liefert. Eine neuere Theorie geht noch von der Möglichkeit aus, dass sich ein Mantel aus Eis um die Steine bildet und so Auftrieb generiert. Racetrack Playa Bis zum heutigen Zeitpunkt konnte jedoch noch niemand eine der Theorien beweisen und somit bleibt das Phänomen weiterhin mysteriös. Diese Tatsache hat sogar die NASA zu einer Untersuchung veranlasst: http://www.nasa.gov/topics/earth/features/roving-rocks.html

 

Lost Burro Mine

Nahe dem Racetrack befindet sich noch eine alte Mine, welche wir vor dem Heimweg noch aufgesucht hatten. In der Lost Burro Mine wurde das meiste Gold im Death Valley gefunden. Lost Burro Mine Die Mine wurde 1907 gegründet. Der Sage nach hatte der Burro (amerikanisch für einen kleinen Esel) von Bert Shively genug von seinem Meister und ist ab- und davon. Bert hatte den Esel bis in einen verlassenen Canyon verfolgt und wollte dort seine Aufmerksamkeit durch den Wurf eines Steines erlangen. Den Brocken, den er jedoch vom Boden nahm und werfen wollte, war hauptsächlich aus Gold. Ein Brechwerk wurde errichtet und die Mine war bis Mitte der 70er Jahre sporadisch in Betrieb. Inside Lost Burro Mine Das Brechwerke wurde mit Wasser angetrieben und dafür waren Leitungen von etwa 13 km Länge notwendig. Es fehlen leider genaue Daten über den Betrieb und es existieren weder Bilder der aktiven Mine noch Informationen zur genauen Ausbeute. Die aktivsten Jahre waren zwischen 1912 und 1917 und es wird angenommen, dass Gold im Wert von etwa 100’000 $ gefördert wurde. Die Mine ist heute noch in einem sehr guten Zustand, da es fast nie regnet und somit die Gebäude aus Holz sehr gut konserviert wurden. Die Utensilien aus der aktiven Zeit sind auch noch alle an ihrem Ort, da die Mine nicht gut für die Touristen erreichbar ist (wir mussten alles aus dem Jeep und unseren Knochen raus holen) und angeblich ein Fluch auf dem lastet, der etwas mit nimmt.

Es kommen doch einige Leute das Death Valley besuchen, jedoch nur wenige schaffen es bis zum Racetrack und noch weniger erleben Regen in dieser trockenen Wüstengegend. Wir bedanken uns somit bei der Natur für dieses spezielle Erlebnis und freuen uns schon auf die nächste Superlative, den Grand Canyon.


Comments

Rose-Marie und Guido(non-registered)
Hallo Ihr Zwei
in Gedanken reisen wir mit euch! Geniesst jede Minute denn später merkt ihr: Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus welchem wir nicht vertrieben werden können.
Weiterhin viele spannende Momente
Liebe Grüsse
Rose-Marie
Alex Goetz(non-registered)
Hi Zusammen
Hey, vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Da habt ihr ja regelrechte Abenteuer erlebt :-) 4x4 sei Dank!
Wegen den Steinen auf dem ausgetrockneten See ist meine Theorie, dass Ausserirdische die Playa als eine Art Schachbrett benutzen und immer etwas Zeit brauchen, bis sie den nächsten Zug ausführen …

So wünsche ich Euch weiterhin eine gute Reise und spannende Momente.

Liebe Grüsse
Alex
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